Erlebnisgeschichte: Blaustrümpflerweg


Über den Autor:
Yannik Michael verbringt einen großen Teil seiner Freizeit mit dem Fotografieren. In und um Stuttgart gibt es für ihn noch viele Ecken, die es zu erkunden und fotografieren gilt. Als ihm kürzlich erneut die Karlshöhe als Ausflugsziel schmackhaft gemacht wurde, beschloss er, den Blaustrümpflerweg zu erkunden …

Zum Wandern habe ich mir feinsten Sonnenschein bei 24°C rausgesucht, sodass der Startpunkt “Marienplatz” bei diesem Wetter selbstverständlich reichlich besucht war. Vorbei an Basketballspielern und Kindern mit eisverschmiertem Gesicht, ging es für mich zum ersten Stäffele in Richtung Karlshöhe. Aufgrund des Wetters war mein Rucksack mit 3 Litern Wasser beladen, was sich spätestens nach der Hälfte der langen Treppe bemerkt gemacht hat. Einige Höhenmeter weiter auf der Karlshöhe angekommen, wurde der Aufstieg mit einem wunderbaren Blick in den Kessel belohnt. Am Horizont ragte der Fernsehturm in die Höhe, der die Silhouette der Landeshauptstadt maßgeblich prägt. Bis zum Biergarten lief ich an Menschen vorbei, die ihre Steaks grillten, kühles Bier tranken und Fußball spielten. Wie eingangs erwähnt, ist die Karlshöhe einer der Gründe, warum ich diesen Ausflug gemacht habe und schon jetzt hat sich diese Entscheidung gelohnt! Selten war ich an einem Ort, der sich besser für laue Sommerabende eignet als die Karlshöhe! Doch leider war ich nicht zum Entspannen unterwegs, sodass ich dem kühlen Bier nur nachtrauern konnte und mich in Richtung des blauen Wegs aufmachte. Sollte ich den Ausflug noch einmal machen, dann wahrscheinlich in umgekehrter Reihenfolge, um den Abend im Biergarten bei Sonnenuntergang ausklingen zu lassen. 

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Mein durchaus ausbaufähiger Orientierungssinn lies mich dann etwas im Kreis laufen, sodass der VVS-Radroutenplaner auf meinem Handy herhalten musste, damit ich aus dem zugegebenermaßen sehr schönen Waldstück herausfand und den nächsten Abschnitt in Angriff nehmen konnte.
Die Strecke zum Startpunkt des blauen Wegs lässt einen die Stadt mit ihren bezaubernden Häuserschluchten und dem Charme der Stuttgarter Altbauten genießen. Das ist auch das, was mich an diesem Ausflug so begeistert hat – der ständige Wechsel zwischen Natur und Stadt und auch Menschen mit einer distanzierten Einstellung zu Grünanlagen und dem Wandern. Die Straße hoch zum blauen Weg war mindestens genauso anstrengend wie die Staffel zu Beginn am Marienplatz. Für reichlich Verwunderung bei mir sorgte dann ein (nicht ganz lebensgroßes) Nashorn im Vorgarten eines Grundstücks! Für den Einen ist es der Gartenzwerg, Andere mögen eben ein riesiges Nashorn.

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Eher früh als spät habe ich dann den Eingang zum blauen Weg gefunden, der ohne App schnell übersehen werden kann. Der schmale Weg führte mich an Gärten und Weinbergen vorbei und mit einem Blick nach links konnte ich jederzeit in den Kessel blicken, der so langsam vom Gold der untergehenden Sonne bedeckt wurde. Die Strecke ist wunderbar für Radfahrer und Jogger geeignet, die es gerne etwas ruhiger haben und nicht jeden Moment befürchten müssen von einem Auto angefahren zu werden. Auch Hobbysportler im Ruhestand, wie ich es einer bin, finden vereinzelt wohltuende Sitzgelegenheiten, um kurz zu verschnaufen. Auf den letzten paar hundert Metern bis zum nächsten Wohngebiet überquerte ich noch eine alte Brücke mit darunter liegenden Gleisen. Und hier muss ich es einfach nochmal loswerden: Ich als Stadtkind finde genau diese Mischung an der Landeshauptstadt so toll – urbanes Leben und an allen Ecken die Ruhe der Natur!

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Die letzten Meter führten mich entspannt zum Südheimer Platz und der Seilbahn, die mich theoretisch auf einer Strecke von etwa einem halben Kilometer nach oben bringen soll. Praktisch jedoch konnte ich diese Gelegenheit leider nicht wahrnehmen, da ich den vorangegangenen Teil der Strecke zu gemütlich gelaufen bin. Ich musste mir also einen anderen Weg zur zweiten Etappe suchen. Und das historische Gefährt muss ich wohl bei Gelegenheit erneut besuchen, um mich auf den alten Holzbänken nach oben befördern zu lassen.

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Aufgrund der Tatsache dass ich mich nicht sonderlich beeilt habe und den Ausflug generell etwas spät gestartet habe, wurde aus der gemütlichen Fahrt mit der Seilbahn leider nichts, sodass ich einen ebenfalls schönen aber schweißtreibenden Weg am Fuße des Berges nach oben nahm. Letzten Endes bin ich aber glücklich darüber, da der Weg nach oben über den Heslacher Tunnel führte und dort eine beeindruckende Aussicht über die Schnellstraßen bot – besonders bei Sonnenuntergang, wenn die Sonne gerade hinter den Bäumen verschwindet und sich sowohl im Kubus als auch auf dem heißen Asphalt spiegelt! Auf mich wartete jetzt ein langes Stück Natur mit Ruhe und Zeit zum Genießen abseits der lauten Stadt. Neben Joggern und Radfahrern lief mir auch eine nette Entenfamilie über den Weg, die sich bei den heißen Temperaturen in einem See abkühlte. Am liebsten hätte ich es ihnen gleichgetan, doch es lag noch etwas Weg vor mir. Das Folgende recht lange Stück durch den Wald lässt einen in sich kehren und die vielen Eindrücke der ersten Etappe verarbeiten. Gut, um zur Ruhe zu kommen und einfach mal nichts außer die eigenen Schritte zu hören. In der Ferne konnte ich dann eine private Techno-Party wahrnehmen und so wurde mir bewusst, dass sich der Ausflug langsam aber sicher dem Ende neigt. Für mich ging es vorbei an Weinbergen hin zum wunderschönen Platz Santiago de Chile, welcher der letzte der vielen Aussichtspunkte des knapp 8 Kilometer langen Ausflugs sein sollte. Die Zacke, wie die 1884 eröffnete Zahnradbahn genannt wird, brachte mich schließlich zurück zum Marienplatz wo mein Ausflug vor knapp 3,5 Stunden begann.

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, wie sehr mir dieser Ausflug aufgrund seiner abwechslungsreichen Strecke gefallen hat. Besonders die vielen schönen Ausblicke in den Kessel haben mich überzeugt. Zwar mussten einige Höhenmeter bewältigt werden, doch jeder einzelne davon ist es wert!

 

Fazit:

  • gute Abwechslung zwischen anspruchsvollen Strecken und entspannten Wegen
  •  toller Mix aus urbanem Leben und ruhiger Natur
  • viele Aussichtspunkte
  • Seilbahn und Zacke als spannende Alternativen zur herkömmlichen Stadtbahn
  • auch in umgekehrter Reihenfolge mit Einkehr am Biergarten bei der Karlshöhe sinnvoll

 

Alle Bilder © Yannik Michael

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    Der Blaustrümpflerweg wird auch in der VVS-Freizeitbroschüre 40 Lieblingsziele vorgestellt.

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