Erlebnisgeschichte: Der Skulpturenpfad in Strümpfelbach


Über den Autor:

Benjamin Word ist ambitionierter Hobbyfotograf und Weltenbummler. Bereits als Kleinkind lebte er kurzzeitig in Stuttgart. Jetzt, mit Mitte 20, ist er für das Studium und die Liebe wieder in die Stadt gezogen.

Zugegeben, ich hatte bis vor kurzem noch nicht einmal von einem Ort namens Strümpfelbach gehört. Wieso nicht? Ja, das frage ich mich auch, denn Strümpfelbach ist ein echter Tagesausflug-Geheimtipp und mit dem VVS auch noch schnell und einfach zu erreichen.

Das erste Mal in Google eingegeben, empfiehlt mir die Suchmaschine beim Tippen „Struempfelbach Germany“ – ein klares Zeichen für ein sogar internationales Interesse an dem zunächst unscheinbar wirkenden Wein-Örtchen. Aber wieso sollte ich nun ausgerechnet Strümpfelbach, den kleinsten Stadtteil von Weinstadt, besichtigen? Natürlich, der Skulpturenpfad und ein Programm getreu dem Weinstädter Motto „Kultur trifft Natur“. Anfangs dachte ich, dass das alles wäre, was der Ort zu bieten hat. Doch weit gefehlt, die wunderschöne Wanderung in den Weinbergen und die einzigartigen Skulpturen dazwischen waren nur ein Teil der Reise.

Ohne große Planung und lediglich mit der vagen Vorstellung eines Weinwanderweges mit Skulpturen zog ich mit meiner Freundin los. Wir fuhren mit der S2 ab Stuttgart Stadtmitte bis Endersbach und von dort mit dem Bus 202 nach Strümpfelbach – eine kleine heile Welt nach insgesamt nur 40 Minuten Fahrt.     Mir gefielen die Sonnenbrille und die lockere Ausstrahlung des Busfahrers, also fragte ich ihn, ob ich ein Foto von ihm für den VVS machen dürfte. Netterweise sagte er nicht nur zu, sondern schlug mir auch noch einen tollen Ort für das Foto vor: das Strümpfelbacher Rathaus, dem Star aller Fachwerkhäuser des 2500-Seelen-Örtchens. Leider ist der winkende Busfahrer mit seinem breiten Grinsen und der coolen Sonnenbrille im finalen Foto kaum zu sehen, aber Grüße gehen an dieser Stelle trotzdem an ihn raus.

mehr anzeigen

Mit uns im Bus saß noch eine kleine Gruppe älterer Damen, die zwei Haltestellen vor uns direkt am Fuße des Skulpturenpfades ausstieg. Wir fuhren bis zur Endhaltestelle Rathaus weiter, um (abgesehen für das Busfahrer-Foto) auch von der Schönheit der pittoresken Weindorf-Mitte überrascht zu werden. Die sehr gut erhaltenen und zahlreichen Fachwerkhäuser luden uns regelrecht dazu ein, bis ans Ortsende zu laufen und alle zu besichtigen. Staunend machte ich Fotos und dachte dabei an meine außereuropäischen Freunde, denen ich die Bilder zeigen würde. So schön kann Deutschland sein!

mehr anzeigen

Nach dem Entdecken der ersten Skulpturen in der Dorfmitte führte unser Weg am Museum Sammlung Nuss in der Hauptstraße 19 vorbei. Es ist von April bis Oktober sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet und bietet neben einigen Skulpturen überwiegend Gemälde der Künstlerfamilie Nuss und anderer schwäbischer Künstler. Im Museum hätten wir uns nach dem Verlauf des Skulpturenpfades erkundigen können, aber wir entschieden uns für die Variante „Immer der Nase nach“. Wer keine der 43 Skulpturen verpassen möchte ist gut damit beraten, sich hier oder auch schon vorher über den genauen Verlauf des Skulpturenpfades zu informieren.
Jedenfalls was das Museum betrifft, rügten uns später die älteren Damen aus dem Bus, dass wir etwas verpasst hätten, da wir nicht im Museum waren. Aber Moment, wie haben wir die denn wieder getroffen? Das ist eine lustige Geschichte:
Am Fuße des Skulpturenpfades angekommen, auf den ein Schild sowie eine ulkig zur Seite zeigende Skulptur hinweist, folgten wir dem Weg und stießen so direkt auf die Quelle all dieser drolligen Skulpturen: Das Haus der Schöpferfamilie Nuss – eine Sehenswürdigkeit für sich ist. Der Künstler und Bildhauer Prof. Karl Ulrich Nuss wohnt unweit „seines“ Skulpturenpfads in einem von mehreren Skulpturen gesäumten Haus. Wir wären trotzdem fast daran vorbei gelaufen! Gut dass ich in der Nähe des Hauses mit einer netten Frau ins Gespräch kam, die uns aufklärte, dass Herr Nuss hier wohnt und sie sogar jetzt einen Termin bei ihm habe. Bevor wir uns umsehen konnten, hatte sie auch schon an der Haustür geklingelt und lud uns ein, mit reinzukommen.

mehr anzeigen

Herr Nuss hieß all seine geladenen und ungeladenen Gäste gleichermaßen freundlich willkommen. In seinem Garten gab es für die Dame mit Termin ein freudiges Wiedersehen: Sie war Nachzüglerin derselben Gruppe älterer Damen, die wir aus dem Bus kannten. Sie hielten ein Kaffeekränzchen vor unzähligen Skulpturen, die wild verstreut im bilderbuchhaften Garten standen, saßen und lagen. Leider hatte ich nur wenige Sekunden, um ein Foto von Herrn Nuss zu machen. Schließlich musste er in sein Museum (sonntags 14 bis 17 Uhr, wisst ihr noch?) und unpünktlich ist er nie.  


Wir hätten Sonnencreme und Kopfbedeckungen einpacken sollen, da wir uns einen sehr sonnigen Tag ohne eine einzige Wolke am Himmel ausgesucht hatten. Zum Glück gab es auf dem Weg aber immer wieder mal kleine Weinberghäuschen, die uns Schatten spendeten. Nachdem wir uns kurz ausgeruht und etwas getrunken hatten, ging es weiter auf Skulpturenjagd: Querfeldein die Weinberge hoch, mal auf befestigten, mal auf unbefestigten Pfaden. Klar könnte man eigentlich alle Skulpturen auf befestigten Wegen erreichen, aber ohne genauen Streckenplan ist es einfach spannender. Der Weg ist das Ziel!

mehr anzeigen

Einige Höhenmeter, nackte, gestikulierende, menschliche und tierische Skulpturen später erreichten wir am höchsten Punkt des Skulpturenpfades eine gemütliche, schattige Aussicht mit Bänken und einer kleinen Wiese voller Butterblumen. Es bot sich ein schönes Panorama der Umgebung zwischen Weinbergen und Wäldern. Einige Figuren konnte man sogar von hier aus der Ferne ausmachen. Es war wirklich interessant, wie die Kunstwerke aus Bronze und Stein aus drei Generationen der Familie Nuss miteinander harmonierten, einen ganz eigenen Stil hatten und trotz humorvoller Modellierung von Posen und Proportionen alle wie aus dem Leben gegriffen schienen.

Den Weg zurück ins Tal wählten wir erneut spontan und, sagen wir, kreativ aus, denn Sonntagabend fährt von hier nur alle zwei Stunden ein Bus! Zu spät kommen wäre da keine gute Idee. Obwohl die Zeit reichlich war, ließen wir uns von den steil abfallenden Hängen zu kurzen Wettläufen verleiten. Auch auf dem Weg nach unten entdecken wir noch neue Skulpturen und begegnen auch wieder den älteren Damen, die ebenfalls an der Bushaltestelle warteten und den gleichen Bus zurück nehmen wollten wie wir. Sie hatten edlen regionalen Wein gekauft und das Museum besucht. Wir hingegen haben „nur“ den Skulpturenpfad erlebt. Glücklich waren wir jedoch alle – jeder eben auf seine Weise. Was für ein Tag!

 

Fazit:

  • sehr empfehlenswerter Tagesausflug, um schöne Kunst und Natur in Einem zu erleben
  • nicht nur die Skulpturen, sondern auch das Kunstmuseum und der historische Flair Strümpfelbachs sind den Besuch wert
  • sehr gut geeignet als spätherbstliche Weinwanderung mit tollem Ausblick
  • freier Eintritt zum Kunstmuseum, Wandern koscht sowieso nix!

 

Alle Bilder © Benjamin Word

    mehr anzeigen

    Der Skulpturenpfad in Strümpfelbach wird auch in der VVS-Freizeitbroschüre 40 Lieblingsziele vorgestellt.

    Sie können die Bröschüre "40 Lieblingsziele" hier herunterladen oder in einer unserer Verkaufsstellen kostenlos mitnehmen. Auf diesen Seiten finden Sie außerdem alle Ziele im Überblick mit weiterführenden Links und natürlich der VVS-Fahrplanauskunft.

    mehr anzeigen