Erlebnisgeschichte: Tour de Schönbuch

OS Story Schönbuch


Über den Autor:
Ole Bense lebt und arbeitet in und um Stuttgart. In seiner Freizeit erkundet er am liebsten die Stadt und die Region mit dem Fahrrad. Als gebürtiger Böblinger kennt er den Naturpark Schönbuch schon aus Kindertagen. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit blieb das Rad bei dieser Tour jedoch zu Hause, Ole Bense wollte zu Fuß bisher unbekannte Höhen erreichen.

Der Schönbuchturm liegt am westlichen Rand des Schönbuchs, unweit der historischen Stadt Herrenberg. Er wurde auf einem Plateau mit einer Höhe von 580 Metern über Normalnull errichtet und ragt mit seinen 24 Stützen aus Schönbucher Lärchenkernholz nochmals 35 Meter in die Höhe. Damit liegt die Aussichtsplattform in etwa auf selber Höhe wie der Stuttgarter Fernsehturm. Doch der Schönbuchturm ist augenscheinlich noch mit einem anderen Stuttgarter Turm zu vergleichen, dem Killesbergturm im Höhenpark. Beide Türme weisen gewisse Ähnlichkeiten auf – und damit sind nicht die Stäffele zum Erklimmen der Türme gemeint. Doch bevor der Turm bestiegen werden kann, gilt es nach Herrenberg zu reisen, mit dem ÖPNV von Stuttgart aus bequem zu erreichen.

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Die hier vorgestellte Wanderroute ist etwa zehn Kilometer lang und führt vom Herrenberger Bahnhof (RB, SB) über den Schlossberg zum Naturfreundehaus und den in der Nähe gelegenen Schönbuchturm. Von dort aus geht es über Waldwanderwege nach Nufringen zur S-Bahnhaltestelle der S1. Die gesamte Wegstrecke ist nur teilweise mit Kinderwagen begehbar. Es sollte beachtet werden, dass der Hinweg über die Herrenberger Altstadt durch die Steigung des Schlossberges und das Kopfsteinpflaster etwas körperliche Ertüchtigung erfordern. Unterwegs gibt es allerdings genügend Einkehrmöglichkeiten, um sich zu stärken.

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Begeistert von der Idee, im Rahmen der VVS-Erlebnisgeschichten zusammen mit Freunden in den Schönbuch zu reisen und dort dem Hobby 'Stäffele-steigen' zu frönen, wurde freudig ein Samstag im Oktober für den Ausflug ausgewählt. Auch Petrus schien nichts dagegen zu haben, denn die Wettervorhersage kündigte einen sonnigen und trockenen Herbsttag an. Lediglich die Begeisterung der potentiellen Mitwanderer hatte ich wohl falsch eingeschätzt, denn am Ausflugstag trat lediglich eine kleine Gruppe die Wanderung an. Genaugenommen könnte man auch von einem Wanderduo sprechen, aber das wäre schon sehr genau genommen. Der Vorteil einer sehr kleinen Gruppe ist, dass man deutlich schneller bei der Entscheidungsfindung ist. Und so war klar, dass wir nach der Ankunft in Herrenberg die Altstadt unterhalb der Stiftskirche erkunden wollten. Außerdem konnte man mit der U-Bahn nach Vaihingen fahren (gestartet wurde in Heslach) und dort in die S-Bahn steigen, die nicht mal mehr eine halbe Stunde benötigt.
Angekommen in Herrenberg folgten wir den Infotafeln Richtung Altstadt bzw. Stiftskirche. In der Altstadt selbst ließen wir uns treiben und liefen schlicht in die Gassen, die uns am meisten gefielen. Da es früher Nachmittag war, hatten viele Geschäfte noch geöffnet und wir konnten noch etwas bummeln. Es dauerte auch nicht lang, bis ich mich an meine Oma erinnerte, die mir oft riet, genügend Flüssigkeit zu mir nehmen. "Trink au bloß g'nug Bua. Was, ischt wurscht, d' Hauptsach g'nug." Mit dieser Weisheit im Hinterkopf konnte man natürlich unmöglich an einem geöffneten Spezialitätenladen (in diesem Falle ein Spirituosengeschäft) vorbeigehen. Und so kamen wir in den Genuss eines herrlichen Birnenbrandes heimischer Früchte. Mit Mitbringsel ausgestattet zogen wir leichtfüßig den Schloßberg hinauf und machten unsere erste Rast auf dem Plateau der Schlossruine – nun eine Aussichtsplattform. Von dort hat man einen herrlichen Panoramablick über Herrenberg und die umliegenden Gemeinden bis hin zum Gäu.

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Von dort aus zogen wir weiter in Richtung. Dabei wanderten wir auf gut ausgebauten Wegen und entdeckten immer wieder nette Plätzchen zum Verweilen. In unserem Falle war es ein Bänkchen mit Sicht auf eine Streuobstwiese. Wir nutzten dies, um den Birnen ein weiteres Mal zu gedenken. Gar nicht auf dem Schirm hatten wir, dass wir nicht nur am Naturfreundehaus vorbeikommen, sondern auch am Waldseilgarten Herrenberg, der bei diesem schönen Wetter ebenfalls geöffnet hatte. Wieder die Oma im Kopf nutzten wir die Gelegenheit zur Einkehr.

Erneut gestärkt ging es dann weiter zum Naturfreundehaus, das wir jedoch links liegen gelassen haben, da die letzte Rast noch nicht lange her und die Sonne unaufhörlich Richtung Horizont wanderte. Schließlich wollten wir den Rückweg nicht im Dunkeln antreten oder – noch schlimmer – den Turm nicht mehr besteigen dürfen. Vom Parkplatz des Naturfreundehauses (dieser wird auch von einem Bus ab Herrenberg angefahren) dauert es nun nicht mehr lange bis zum Turm.

Endlich am Ziel angekommen, ragte der Schönbuchturm imposant in den Himmel. 35 Meter Höhe hören sich nicht viel an, wirken dann aber doch mehr, wenn man direkt davorsteht. Ich konnte nun Stäffele-steigen und da meine Begleitung meine Freude und Begeisterung nicht einschränken wollte, wartete sie auf der ersten Zwischenetage auf mich (vielleicht hatte sie auch ein klein wenig Höhenangst, aber da möchte ich mich nicht festlegen). Ganz oben angekommen machte ich die obligatorischen Fotos und genoss die Aussicht. Die Abendsonne und die herbstlichen Waldfärbung sorgten für eine tolle und farbenfrohe Atmosphäre. Auf dem Weg nach unten holte ich meine Begleitung ab und wir machten uns auf den Rückweg. Unten am Turm begegneten wir auch noch der Streuobstprinzessin, die allerdings gerade im Gespräch mit einem ihrer Anhänger war. Um sie nicht zu stören, beschlossen wir, ihr lieber in Stille zu huldigen und nahmen abermals einen Schluck Birne zu uns.

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Der Rückweg lässt sich auf zweierlei Art bestreiten: Man kann denselben Weg zurücknehmen, wie man gekommen ist oder den Waldweg Richtung Nufringen antreten. Da wir noch einen anderen Teil der Strecke sehen wollten, entschieden wir uns für die Route nach Nufringen. Da wir uns zunehmend in unser Gespräch vertieften, kann ich auch gar nicht mehr groß etwas über den Weg berichten. Er führt größtenteils bergab durch den Schönbuch und man kommt an. Vom Ortsrand Nufringens ist es dann nur noch ein Katzensprung bis zum Bahnhof. Gerade als es richtig dunkel wurde, kamen wir dort an und mussten auch nicht lange auf unsere Bahn warten. Zum Abschluss unserer Wanderung gönnten wir uns noch etwas Obst und fuhren zurück in den Kessel. 


Alle Bilder © Ole Bense

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    Der Naturpark Schönbuch wird auch in der VVS-Freizeitbroschüre 40 Lieblingsziele vorgestellt.

    Sie können die Bröschüre "40 Lieblingsziele" hier herunterladen oder in einer unserer Verkaufsstellen kostenlos mitnehmen. Auf diesen Seiten finden Sie außerdem alle Ziele im Überblick mit weiterführenden Links und natürlich der VVS-Fahrplanauskunft.

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