Erlebnisgeschichte: Auf den Spuren der Römer nach Plüderhausen

VVS-Erlebnisgeschichte: Wanderung von Lorch nach Plüderhausen


Über die Autorin Kerstin Maier:

Entdeckt seit einiger Zeit ihre Heimat neu, meist zu Fuß, und hat dabei immer die Fotokamera dabei. Die VVS-Wanderung war ein interessanter Abstecher in eine Gegend, die sie so intensiv noch nie erwandert hatte.

Seit ca. zwei Jahren unternehme ich viele Wanderungen in meiner Heimat. Als Kind wurde ich mehr oder weniger gezwungen, sonntags in der Natur herumzulaufen, wofür ich heutzutage viel offenere Augen habe und viel mehr Begeisterung zeige. In den Orangen Seiten finden sich einige schöne Wanderungen, und so beschloss ich, eine davon mal auszuprobieren und kam so auf die Spuren der Römer Wanderung von der Ostalb nach Plüderhausen.


Nützliche Links:

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Der GPX-Track kann entweder mit der VVS Radroutenplaner App (iPhone oder Android) importiert werden oder auf dem Desktop angeschaut werden. Dazu mit der rechten Maustaste auf den Link oben klicken und "Ziel speichern unter..." wählen. Die heruntergeladene Datei dann wie gewünscht importieren.

 

Es kündigte sich ein heißer Tag an, deshalb hatte ich vor früh zu starten. Es hieß, die Regionalbahn R2 in Schorndorf zu erreichen, die mich nach Lorch bringen sollte. Der Zubringerbus kam etwas verspätet und nach einem Traktor und einer Kehrmaschine als Hindernis kamen noch ein paar Minuten obendrauf. So bekam ich noch ein bisschen innere Aufregung gratis dazu, es blieb spannend ob ich den Anschluss erreiche oder nicht. Es hat dann aber perfekt geklappt, was auch daran lag, dass außer mir fast niemand mitfahren wollte und der Bus fast nirgends halten musste. Der Kauf einer Tageskarte Netz ging problemlos beim Busfahrer, was ich so gar nicht erwartet hatte. Was mich bei diesen Busfahrten immer etwas nachdenklich stimmt, ist, dass doch so wenige Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Land nutzen, und das Angebot eventuell auf lange Sicht weiter eingeschränkt werden wird bzw. muss, was schade wäre, denn ich für meinen Teil hab die Fahrt über Land ohne selbst am Steuer zu sitzen sehr genossen.

In Lorch stieg ich aus dem Zug aus, studierte die ausgedruckte Beschreibung der Wanderung und zog los. Auf dem Weg fragte ich mich gerade, was ich über Römer und speziell am Limes eigentlich weiß: so gut wie nichts, doch um ehrlich zu sein kam es mir darauf auch nicht an. Viel interessanter fand ich, dass an den Büschen die Brombeeren schon eifrig wuchsen, und es bald unheimlich viele Haselnüsse geben wird. Oben am Kloster spähte ich nur kurz hinein, denn ich wollte ja eigentlich wandern.

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Es ging gleich Richtung Limes-Pfad los, zuerst über breite Forstwege, dann quer durch den Wald in ein schönes Tal mit ein paar Weihern. Hier machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit einer Bremse, eine vorbeikommende Frau mit Hund lachte mich aus und meinte nur: "Einsprühen!". Das hatte ich zwar getan, aber das Insekt war davon offensichtlich wenig beeindruckt. Es waren schon einige Menschen unterwegs, als ich auf einen idyllischen Waldpfad abbog. Trotzdem gelang es mir sehr gut, zu innerer Ruhe zu finden und die schöne Umgebung auf mich wirken zu lassen.

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Ich kam durch einen großartigen Wald voller Grün, Lichtungen und Farn, und passierte einen Limesturm. Kurz danach verirrte ich mich im Wald. Die Beschreibung sagte "geradeaus" und ich ging geradeaus, aber was sie eigentlich meinte war "geradeausleichtrechts", das wäre der richtige Pfad gewesen. Da mir das aber oft passiert, war das nicht weiter schlimm. Einer der schönsten Aspekte einer Wanderung ist für mich sich einfach treiben zu lassen, da kann das schon mal passieren. Über einen Sportpfad fand ich den sehr schönen schmalen Pfad wieder, dem ich schon die ganze Zeit gefolgt war. Das Handy ist auf dieser Wanderung unverzichtbar, da man sich mit den Karten-Apps immer wieder orientieren muss, denn irgendwann möchte auch ich irgendwo ankommen. Außerdem konnte ich an den Limestürmen eine Telefonnummer anrufen, und bekam einiges über die Römerzeit und den Limes erzählt. Dieser tolle Service hat mich positiv überrascht. Doch noch was gelernt!

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Da es um die 30 Grad heiß war und mittlerweile Mittag, hatte ich bald kein Wasser mehr. Ich kam an Bächen vorbei und trank irgendwann mutig ein paar kleine Schlucke (man weiß ja nie...), durchquerte einen kleinen Ort mit einem Brunnen (kein Trinkwasser), und am Ende rettete mich ein Friedhof, der sowohl eine offene Toilette als auch Leitungswasser anbot.

Kurz nach dem Stopp am Bach verlor ich wieder die Orientierung, und auch die Karten-App half nicht mehr weiter, denn in dem kleinen Weiler gab es keinerlei Handyempfang. Ein Mann, der gerade seine Wiese mähte, hielt an und ich fragte ihn nach dem Weg, den er mir gerne erklärte. Ich ging weiter und nach ca. 20 Metern rieft er mir hinterher "Da lang!" Netterweise hatte er aufgepasst, wo ich hingehe, da ich, schon ganz im "Treiben-lassen-Modus", die Abzweigung im Gras übersehen hatte.

Es folgte ein weniger schöner Abschnitt des Weges, aber da ich schon 15 km in den Beinen hatte, konnte der Eindruck auch daran liegen. Am Ende der Wanderung traf ich noch ein Reh auf der Hochzeitswiese von Plüderhausen. Laut einem Schild, das dort stand, handelt es sich bei Hochzeitswiesen um einen interessanten alten Brauch, den ich vorher nicht kannte: Man heiratet dort nicht, sondern kauft und pflanzt einen Baum für die Allgemeinheit. Früher wurde so sichergestellt, dass es genug Obst für alle im Dorf gab.

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Insgesamt eine schöne Tour, vor allem der Teil auf dem Limespfad ist wunderschön.

In Plüderhausen hat man wieder Anschluss an die Regionalbahn R2 und kann zurück zum Ausgangspunkt fahren. Es empfiehlt sich aber, sich vorher den Fahrplan anzuschauen, da der Zug nicht sehr häufig fährt.


Fazit:

  • Gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare/kombinierbare Wanderung
  • Schöne Waldpfade und Forstwege
  • Interessante Geschichts-Informationen und sichtbare geschichtliche Überreste
  • Weitere Attraktionen entlang des Weges (Kloster Lorch, Staufner-Falknerei)
  • Badesee in Plüderhausen am Ende der Wanderung
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