Erlebnisgeschichte: Burg Teck



Über die Autorin:
Daniela Karaivanova – eine kreative Bulgarin von der Schwarzmeerküste – lebt und studiert seit fast 5 Jahren in Stuttgart und entdeckt ihre Stadt immer wieder aufs Neue.

Als ich das erste Mal Fotos der Burg Teck sah, konnte ich kaum glauben, dass man diesen schönen Ort ganz in der Nähe Stuttgarts mit den Öffentlichen erreichen kann. Als Studentin ohne Auto war die Entscheidung schnell getroffen: Gemeinsam mit meinem Freund wählten wir an einem Sonntagnachmittag diesen Naherholungsort als unser Reiseziel aus.

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Wir starteten in Stuttgart Stadtmitte mit der S1 nach Kirchheim (Teck). Ausgerüstet mit Wasser, Hut und einer Reiselektüre für jeden von uns machten wir uns auf den Weg. Die S-Bahn fährt unter anderem an den schönen Hundertwasserhäusern in Plochingen sowie an weitläufigen Weinbergen vorbei. Die schöne Sicht aus dem Fenster ließ uns gar nicht erst zum Lesen kommen und die Fahrt noch kürzer erscheinen. Bald waren wir schon in Kirchheim Teck angekommen. Besucher werden dort mit einem kunstvollen Graffiti in Empfang genommen. Leider hatten wir nicht genug Zeit, uns die Stadt anzuschauen, weil es mit dem Bus 177 direkt weiterging nach Owen. Beim Einstieg wurden wir lächelnd begrüßt und bekamen später sogar den Hinweis, wo wir fürs Owener Geschichtshaus aussteigen mussten.

Schon auf der Landstraße vor Owen konnten wir hoch auf dem Berg unser Ziel erkennen – die märchenhafte und sagenumwobene Burg Teck. Viele Legenden ranken sich um diese Burg, die über das Lenninger Tal wacht. Eine erzählt von der gutherzigen und weisen Sibylle, die aufgrund bösartiger Taten ihrer Söhne eines Nachts ihre Höhle – das Sibyllenloch unterhalb der Burg – verließ. Die Reifenspuren ihrer goldenen Kutsche hinterließen fruchtbaren Boden und schöne Blumen. Die Blumen, die aktuell am Wegrand wachsen, sollen noch heute all Jene erfreuen, die sich auf den Sibyllenweg hoch zur Burg begeben.

Bevor wir uns auf den Wanderweg begaben, sahen wir uns direkt an der Bushaltestelle das Reisezentrum an und informierten uns über den Ort. Owen war eine mittelalterliche Residenzstadt der Herzöge von Teck, deren Spuren immer noch in diesem Ort zu erkennen sind, wie zum Beispiel die in der Stadt erhaltene Bernhardskapelle, die ihnen schon damals als Kirche diente. Durch die Stadt führt auch die rund 3500 Kilometer lange deutsche Fachwerkstraße, die mehr als 100 Fachwerkstädte miteinander verbindet. Nachdem wir die kulturelle Seite dieses schönen Orts genossen hatten, war es Zeit auch deren Natur zu erleben.

 

 

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Dank der guten Beschilderung war der Weg zur Burg schnell zu finden. Er führte entlang an schönen Feldern und Obstwiesen – wir Stadtkinder genossen die Abwechslung. Lustig war, einem alten Paar mit Wanderstöcken wiederholt zu begegnen. Teck gilt übrigens als Natur- und Wasserschutzgebiet, daher konnten wir auf dem Weg wunderbar riechenden Thymian finden und auch viele Vögel beobachten. Es gab aber auch andere Flugobjekte: So segelten etliche Modellflugzeuge kunstvoll durch die Luft. Nur die ab und zu rufende Bahn unten im Tal unterbrach die Ruhe der Ziegen, die sich im Schatten erholten. Von einer, wunderbar am Rande des Hügels gelegenen, Bank aus konnten wir die Aussicht auf den Ort genießen – der Aufstieg hat sich schon jetzt gelohnt.

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Nachdem wir ein wenig Energie getankt hatten, gingen wir mit neuen Kräften den Weg weiter nach oben. Je näher wir der Burg kamen, desto mehr Menschen trafen wir: junge Paare, Familien mit kleinen Kindern, alte Menschen und Touristen aus verschiedensten Ländern. Alle wollten den Sonntagnachmittag in der schönen Natur verbringen. Es folgte ein etwas steilerer Waldweg. Der Serpentine nach oben zu folgen, wäre die einfache Variante gewesen – ein kleines Mädchen ermutigte uns jedoch dazu, den Weg etwas abzukürzen. Zwischen Laub und Geröll wurde es rutschig. Es ging nur langsam voran, war aber abenteuerlich. Für den Rückweg nahmen wir uns dennoch vor, nur auf festen oder ausgeschilderten Pfaden zu laufen. Nach dieser Zwischenetappe wurden wir abermals mit einer spektakulären Aussicht belohnt. Jetzt trafen wir auf eine gut gelaunte vierköpfige Gruppe, die von der anderen Seite des Berges kam und uns empfahl, auf der Burg zu übernachten. Das wollten wir uns auf jeden Fall für das nächste Mal merken! Wir erfuhren außerdem, dass unser Ziel nicht mehr weit ist. Und wenige Minuten später hatten wir die Pforte zur Burg Teck tatsächlich schon erreicht. Geschafft! Picknick-Zeit.

Der Innenhof der Burg war sehr angenehm für Mountainbiker sowie Wanderer wie uns ausgelegt. Selbst das alte Paar mit Wanderstöcken trafen wir hier wieder. Zahlreiche Holztische und ein schönes Restaurant luden auf großzügigem Raum zum Verweilen ein. Ein paar Stufen führten an den Rand der Burgmauer, auf der wir nun endgültig den höchsten Punkt in Owen erreicht und eine beeindruckende 360-Grad-Aussicht ins Tal hatten.

Nach einer schönen und erholsamen Zeit in der Burg traten wir den Heimweg an. Wegen all der vielen kleinen Abzweigungen fanden wir nicht sofort den richtigen Weg nach unten und befanden uns flugs auf einer Rutschpartie auf unmarkiertem Terrain. So viel zum „nur-noch-feste-Wege-Plan“. Mein Tipp für alle Burg-Teck-Erforscher: Wählt am besten die breitesten Wege, auch wenn sie anfangs nicht die schnellsten zu sein scheinen. Letzten Endes sind diese die sichersten und wahrscheinlich auch die schnellsten Wege zum Ziel. 

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Nach einem letzten kleinen Abenteuer hatten wir es irgendwie wieder runter in die Stadt geschafft. Auch beim Abstieg waren wir der Blicke hinauf zur Burg nicht müde geworden, freuten uns aber am Schluss über die Erholung in Bus und Bahn. Müde aber glücklich vom ereignisreichen Ausflug sahen wir uns in der S-Bahn Flyer über die Geschichte und Sehenswürdigkeiten von Owen an. Ein wundervoller und ereignisreicher Tag mit netten Menschen und einer wunderschönen Natur neigte sich dem Ende!

 

Fazit:

  • Märchenhafte Burg im gemütlichen Städtchen Owen
  • Atemberaubende Aussichten
  • Sehr schöner, abwechslungsreicher Weg im Naturschutzgebiet
  • Interessante Region zum Wandern
  • Geeignet für Groß und Klein, insbesondere wenn der Parkplatz in der Nähe der Burg als Startpunkt gewählt wird

 

Alle Bilder © Daniela Karaivanova

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    Die Burg Teck wird auch in der VVS-Freizeitbroschüre 40 Lieblingsziele vorgestellt.

    Sie können die Bröschüre "40 Lieblingsziele" hier herunterladen oder in einer unserer Verkaufsstellen kostenlos mitnehmen. Auf diesen Seiten finden Sie außerdem alle Ziele im Überblick mit weiterführenden Links und natürlich der VVS-Fahrplanauskunft.

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